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Auf gepackten Koffern

vom 10.08.2017

Von Julia Sloboda - Allgemeine Zeitung Mainz

MAINZ OPEN - Livia Kraus geht als Mitfavoritin in ihr Heimturnier – dabei sollte sie eigentlich in den USA sein

TSC-Trainer Babak Momeni hofft, dass es Livia Kraus ins Halbfinale schafft.

Die Koffer sind noch nicht gepackt. Aber zumindest angefangen hat Livia Kraus damit schon. Höchste Zeit, denn eigentlich wollte die 18-jährige Tennisspielerin des TSC Mainz am Sonntag in Richtung USA aufbrechen. Dort beginnt am Montag die Orientierungswoche an der Baylor University in Texas. Und dort wird Kraus dank eines Sportstipendiums ein Jahr lang studieren und Tennis spielen.

Doch am Sonntag, wenn Kraus eigentlich im Flugzeug sitzen sollte, findet auch das Endspiel der Mainz Open statt. Und das vom TSC Mainz ausgerichtete Turnier ist für die Lokalmatadorin eine Pflichtveranstaltung. Gut möglich, dass die an zwei gesetzte Titelverteidigerin am Sonntag noch im Rennen ist. Bedeutet: Sie kann nicht gleichzeitig in die Vereinigten Staaten fliegen.

Nach Rücksprache mit der Universität darf Kraus nun einen Tag später anreisen. „Das war gar nicht so leicht“, erzählt sie von den Gesprächen. Und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass alles klappt.“ Zwar verpasst die 18-Jährige so ihren ersten offiziellen Tag in den USA, doch die Uni beginnt ohnehin erst eine Woche später. „Ich bin aufgeregt“, sagt die TSClerin, die bis zu ihrer Abreise aber gar nicht mehr so viel Zeit für Nervosität haben dürfte. Denn neben dem Kofferpacken stehen eben auch die Mainz Open an.

„Es spielen gute Leute mit“, ist Kraus gewarnt. Ein Selbstläufer wie im vergangenen Jahr wird die Sache nicht. Die Premierenauflage – als das Turnier noch als U 21-Veranstaltung ausgetragen wurde – hatte Kraus souverän gewonnen.

Doch auch bei den Aktiven rechnet sich die TSC-Spielerin etwas aus. „Natürlich will ich meinen Titel verteidigen. Und das ist auch möglich.“ Zuversichtlich ist sie, weil sie über den Sommer bisher gut gespielt und trainiert habe. Nur die Generalprobe am vergangenen Wochenende beim ITF-Turnier in Wien ging schief. Da schied Kraus in der dritten Runde der Qualifikation aus. „Dabei hatte ich im dritten Satz geführt. Das war sehr ärgerlich“, sagt sie.

Der Ausflug in die österreichische Heimat ist abgehakt, nun steht das nächste Turnier an. Und auf der Anlage am Ebersheimer Weg will Kraus den Heimvorteil nutzen. „Beim TSC spiele ich immer nochmal besser. Hier motiviert mich jeder“, sagt die 18-Jährige, die auf viele Zuschauer hofft.

Den Heimvorteil will aber auch eine der schärfsten Konkurrentinnen von Livia Kraus nutzen. Und das ist ihre jüngere Schwester Sinja, die an Position fünf gesetzt ist. „Sie ist voll motiviert und sehr, sehr gut drauf“, blickt Livia auf die Erfolge, die ihre Schwester in diesem Sommer bereits gefeiert hat. Zuletzt gewann die 14-Jährige die Bronzemedaille bei den europäischen olympischen Jugendspielen. Und gerade deshalb ist die Ältere der beiden Kraus-Schwestern gewarnt. „Sinja ist sehr selbstbewusst. Das ist auch leichter, wenn man solche Erfolge feiert.“

Trotz der großen Konkurrenz auch aus eigenem Hause peilt Livia Kraus die Finalteilnahme an. Auch wenn das zusätzlichen Stress bedeuten würde. „Ich packe dann einfach am Sonntagabend fertig“, sagt sie. Am Montag früh um 10 Uhr geht der Flieger.