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TSC-Cheftrainer Babak Momeni: „Sinja kann es schaffen“

vom 06.12.2017

von Allgemeine Zeitung Mainz, Julia Sloboda

Erfolgsduo: “Wir sehen uns an sechs Tagen pro Woche”, sagt Babak Momeni. Am siebten Tag bräuchten er und seine Spielerin Sinja Kraus dann aber auch mal eine Pause voneinander. Archivfoto: hbz/Schäfer

Babak Momeni hat aufgehört zu zählen. Wie viele Siege seine Spielerin Sinja Kraus in diesem Jahr eingefahren hat, kann der Tennistrainer des TSC Mainz nur schätzen. „Ich glaube, 50 Siege und drei Niederlagen seit Anfang der Sommerferien.“ Sinja Kraus ist in diesem Jahr nicht nur mit der Damenmannschaft des TSC in die Zweite Bundesliga aufgestiegen, sie dominierte auch fast jedes Turnier, an dem sie teilnahm. Zuletzt gewann die 15-Jährige den Dunlop RLSW-Cup in Stuttgart und den Lancaster-Cup in Altenkirchen. Im AZ-Interview erklärt Babak Momeni das Erfolgsgeheimnis der Saison 2017, erzählt, mit welchen Gefühlen er ins nächste Jahr geht und warum so wenigen erfolgreichen Jugendlichen der Sprung zu den Profis gelingt.

Herr Momeni, hinter Sinja Kraus liegt ihre erfolgreichste Saison. Mussten Sie sich als Trainer da manchmal kneifen?

Jeder weiß natürlich, was sie für ein Potenzial hat. Aber es war schon überraschend, dass sie es so früh gezeigt hat. Da haben viele Faktoren eine Rolle gespielt.

Welche denn?

Der Aufstieg in die Zweite Liga hat ihr einen Schub gegeben. Außerdem hat sie die Schule gewechselt, da hat der Alltagsstress abgenommen. Sie muss zwar viel lernen, aber ist unfassbar flexibel. Und nachdem ihre Schwester Livia in die USA gegangen ist, ist sie in den Vordergrund gerückt.

Das kann aber auch eine Drucksituation erzeugen, wenn man selbst plötzlich in der ersten Reihe steht und nicht mehr die größere Schwester vor sich hat...

Man weiß aber, dass Sinja unter Druck sehr gut arbeiten kann. Manche spielen besser, wenn sie im Schatten von jemandem stehen. Bei Sinja war es niemals so.

Sie sind ein bescheidener Typ. Wie groß ist Ihr Anteil am Erfolg Ihrer Spielerin? Macht Sie das stolz?

Das macht mich tierisch stolz! Aber es ist vor allem Sinjas Verdienst. Wir haben als Team sehr gut gearbeitet, auch mit den Sparringspartnern im Verein und den Konditionstrainern. Eine gute Spielerin kannst du nicht alleine betreuen.

Apropos Training: Woran müssen Sie konkret noch arbeiten?

Der nächste Schritt ist, sich körperlich weiterzuentwickeln, auch um nicht verletzungsanfällig zu werden. Und dann muss sie unbedingt größere Turniere spielen. Sie muss in die nächste Kategorie und auch mal in der ersten Runde rausfliegen. Im Moment nimmt sie die Gegner auseinander und ist teilweise auch unterfordert.

Wie spielt man denn größere Turniere?

Das ist nicht so einfach. Man kommt übers Ranking rein. Unser Ziel ist es auch, dass sie bei den Damen die 15 000er-Turniere spielt. Gerade bei den Damen muss man auch mal weitere Wege gehen, Turniere in der Türkei oder Marokko spielen, um überhaupt reinzukommen. Das ist logistisch aber nicht immer machbar. Im Dezember muss Sinja viel für die Schule machen, da kannst du nicht so weit weg fahren. Und dann kommt das finanzielle noch hinzu. Nähere Turniere sind natürlich billiger, da wollen alle mitspielen. Du musst am Anfang weiter weg fliegen, investieren und natürlich auch Lehrgeld zahlen. Dieser erste Schritt im internationalen Geschäft ist unfassbar schwer.

Sie sprechen es an, wie schwer dieser Schritt ist. Es gibt viele Tennisspieler, die bei den Junioren dominieren, bei den Profis aber niemals Fuß fassen. Woran liegt das?

Die Ausdauer ist entscheidend. Nicht die Ausdauer bei den Ballwechseln, sondern auf der Tour. Du musst viele Turniere spielen. Es geht nicht um schnelle Siege, sondern um das Ziel. Wenn ich das Ziel habe, Profi zu werden, kann ich nicht kurzfristig denken – auch wenn ich super erfolgreich spiele. Es ist nicht mit einer Saison getan. Man muss viel investieren. Und man darf nicht mit 18 aufhören, nur weil man nicht in den Top 100 steht. Viele Spieler scheitern da an ihrer eigenen Vision.

Sinja Kraus ist erst 15. Glauben Sie, dass sie es mal schaffen kann?

Sinja gehört zu den wenigen, die es schaffen können. Vorausgesetzt sie bleibt gesund und in ihrem Umfeld ändert sich nichts gravierendes. Du brauchst ein Umfeld, das an dich glaubt.

Kann die Teilnahme an größeren Turnieren nicht auch ein Dämpfer sein, wenn man plötzlich wieder Spiele verliert?

Sinja fiebert darauf, große Turniere zu spielen. Sie will herausfinden, wo sie steht.

Gehört es zum Plan, auch mal bei den Junioren-Grand-Slams aufzuschlagen?

Ja, das ist ein großartiges Ziel. Es ist wichtig, dass du mal auf den Plätzen spielst, wo die Großen spielen. Dass du mal diese Atmosphäre spürst.

2018 könnte also ziemlich interessant werden. Zumal noch die Zweite Liga mit den Damen dazu kommt.

Es wird sehr spannend. Und ich muss zugeben: Ich bin leicht aufgeregt.