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Auf Frust folgt Vergnügen

vom 21.12.2016

Von Julia Sloboda

TSC-Spielerin Sinja Kraus ärgert sich nach dem Achtelfinal-Aus beim Orange Bowl / Ablenkung am Strand

Sinja Kraus vom TSC Mainz kam in Miami unter die besten 16 Spielerinnen. Archivfoto: hbz/Henkel

Babak Momeni traute seinen Ohren nicht. Denn so hatte er seine Vorzeige-Spielerin noch nie erlebt. Dass Sinja Kraus im Achtelfinale des prestigeträchtigen Orange Bowls im Achtelfinale ausgeschieden war, störte den Cheftrainer des TSC Mainz nicht. Viel mehr überraschte es ihn, wie die 14-jährige Tennisspielerin danach mit ihm am Telefon sprach. „Sie war down und frustriert. So kenne ich sie eigentlich nicht“, sagte Momeni.

 

Der Trainer ist zufrieden, sein Schützling nicht

Mit einem 3:6, 4:6 gegen die Kanadierin Jada Bui hatte sich die Regionalligaspielerin des TSC Mainz aus dem Turnier in Miami/Florida verabschiedet. Und das wurmte sie so richtig. „Ich habe nicht gut gespielt und von Anfang an viele Fehler gemacht“, haderte die 14-Jährige nach der Partie, in die sie nie richtig reingefunden habe. Dass für sie in der Runde der besten 16 Spielerinnen bis 14 Jahre Schluss war, machte sie sauer. Denn in den Runden zuvor hatte es – zumindest von den Ergebnissen her – gut ausgesehen. Mit Siegen gegen Charlotte Chavatipon (USA) und Evie Wei (Taiwan) hatte sich Kraus unter die letzten 32 der vormals 128 gemeldeten Talente gespielt. Dort wartete dann das vermeintlich schwierigste Los mit der an neun gesetzten Russin Polina Shitikova. Doch auch diese Hürde nahm Kraus und gewann nach Satzrückstand noch 4:6, 6:0, 6:3.

„Natürlich wäre es schöner gewesen, unter die letzten acht zu kommen“, musste auch Babak Momeni zugeben. Dort hätte die an zwei gesetzte Britin Holly M. Fischer gewartet. „Und auch gegen die wäre etwas drin gewesen“, ist Momeni überzeugt. Vielleicht sei das auch der Grund für die Enttäuschung seines Schützlings gewesen. „Sie hat gesehen, dass die anderen keine Überflieger sind und dann vielleicht zu hohe Erwartungen gehabt“, vermutet der TSC-Cheftrainer. Erwartungen, die das Umfeld in Deutschland allerdings nicht geteilt habe. „Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen“, sagte Momeni. Immerhin seien die meisten Teilnehmerinnen Halbprofis und würden an Akademien trainieren oder gar nicht mehr zur Schule gehen. Auch deswegen will der Trainer das Ausscheiden nicht überbewerten. „Ich bin zufrieden und glücklich, dass sie es dorthin geschafft hat.“

Bis sich bei Sinja Kraus die Zufriedenheit einstellt, könnte es noch etwas dauern. Zu unglücklich war die 14-Jährige mit all ihren Auftritten in Miami. „Es ist doof, dass ich nicht meine normale Leistung abrufen konnte“, ärgerte sie sich auch über die Partien, die sie gewonnen hatte. Dass sie nicht schon früher ausgeschieden sei, habe auch an den Gegnerinnen gelegen, die nicht so stark gewesen wären, lautete die sehr pessimistische Analyse der TSC-Spielerin. Die wollte Babak Momeni nicht überbewerten. „Sie hat die Erwartungen erfüllt.“

Tröstende Worte hatte der Heimtrainer der Mainzerin bereits am Telefon und per Kurznachricht gefunden. Und auch das österreichische Team, mit dem Kraus in den USA unterwegs ist, trug dazu bei, dass sich die Laune wieder etwas besserte. „Wir verstehen uns echt super“, betonte Kraus, ehe sie sich ins Ablenkungsprogramm stürzte: Erst ging es in den Everglades-Nationalpark, dann an den Strand. Neben etwas Training steht vor dem Rückflug außerdem noch eine Shoppingtour auf der Tagesordnung. Bei so viel Ablenkung verfliegt auch der Frust.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz, 21.12.2016